Feedback - Ist es wirklich ein Geschenk?

„Feedback ist ein Geschenk!“

(Jeder 😀)

Es wird immer gesagt, dass Feedback ein Geschenk ist! Das ist das Schlagwort und die Leute nehmen es als gegeben hin. Aber seien wir malehrlich, ist das Feedback, dass „wir in diesem oder jenem schlecht sind“, ein Geschenk? Oder dass alles, was wir tun, unter dem Deckmantel von Feedback "mansplained" wird?

Was ist ein Geschenk und was sind die Folgen?

  • Alles das uns gegeben wird, sei es etwas Physisches, aber auch Ratschläge, Feedback usw. können als Geschenk angesehen werden.
  • So etwas wie ein unbeabsichtigtes Geschenk existiert nicht; es beinhaltet immer eine Motivation und fordert die Person, die sie erhalten hat, auf, sich zu revanchieren.
  • Das Zurückgeben ist nicht optional, sondern verpflichtend, zumindest in den Augen der Person, die uns ein Geschenk überreicht hat.
„Ein Geschenk sucht immer nach Gegenleistung.“

(Marcel Mauss, Die Gabe: Formen und Funktionen des Austauschs in archaischen Gesellschaften, London 1990 [1925], S. 7)

„Das Geschenk scheint ein völlig freier und freiwilliger Akt zu sein, aber es ist auch [...] eine soziale Verpflichtung.“

(Maurice Godelier, Das Rätsel der Gabe, Chicago 1999, S. 18)

Was bedeutet das in Bezug auf Feedback?

Um ehrlich zu sein, kommt es darauf an.
Es gibt verschiedene Arten von Feedback, von denen zwei allgemein bekannt sind:

  • Positives Feedback
  • Konstruktives Feedback, manchmal auch als negatives Feedback oder Entwicklungsfeedback bezeichnet


Positives Feedback kann wirklich positiv sein und als solches genau die positive Wirkung haben, die es haben sollte. Leider gibt es noch eine weitere Dimension, die ich falsch positiv bezeichnen möchte.
Letzteres ist wie „das war wirklich gut... für jemanden wie dich/mit deinem Hintergrund...“ Der Unterschied ist oft  schwer zu erkennen, aber sobald ein eigentlich positives Feedback eingeschränkt wird, kann es zu einem falsch positiven Ergebnis kommen. Es werden positive Formulierungen verwendet, um uns, unsere Leistungen usw. herabzusetzen.

Und das ist der Punkt: Ist dieses Feedback immer noch ein Geschenk? Können wir es als solches akzeptieren, obwohl die eigentliche Intention ist, den Schenkenden auf eine erhöhte Position zu bringen, um auf uns herabzuschauen zu können? In der Theorie ist die Erwartungshaltung dann, dass wir dankbar sind für das Lob.

Letztlich ist Feedback ein Geschenk: Es wird nie ohne Absicht gegeben und löst immer eine Reaktion aus!


Jetzt kommt der interessante Teil! Ein Geschenk ist, wie bereits bewiesen, immer wechselseitig. Es ist aber auch subjektiv. Die Beschenkte hat immer die Freiheit, den Wert des Geschenks zu interpretieren oder, noch richtiger, zu bestimmen. Und das beantwortet die Frage! Ja, jedes Feedback ist ein Geschenk! Weil es in unseren Händen liegt, es zu interpretieren und zu werten! Im obigen Beispiel stellen wir fest, dass es sich um ein falsch positives Feedback handelt, stellen es in den richtigen Kontext und wir entwickeln eine Antwort: entweder geben wir wirklich konstruktives Feedback zu diesem Verhalten oder ignorieren es - wir können darauf reagieren, wie wir es für richtig halten. Auf jeden Fall lernen wir sehr viel über die Person, die uns falsch positives Feedback gibt: Kommunikationsstil, Ängste und Sorgen, versteckte Ziele, usw. Es gibt immer einen unterschwelligen Grund dafür, und wir können ihn nutzen, um die andere Person besser zu verstehen und die Zusammenarbeit neu zu definieren. Und im schlimmsten Fall ist das Geschenk, dass wir nichts mehr mit dieser Person zu tun haben wollen. Und diese Erkenntnis ist ein echtes Geschenk!

Als Unternehmen möchten wir falsch positives Feedback um jeden Preis vermeiden!


Es führt zu Spannungen, Verachtung und am Ende zu Unzufriedenheit und einem Rückgang des Engagements. Das Ende der Geschichte ist ein Rückgang der Produktivität und - im schlimmsten Fall - der Weggang genau der Kolleg:innen, die wir halten möchten.

Wie können wir in unsere Feedback-Kultur investieren und unsere Mitarbeiter:Innen schulen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, eine nachhaltige Feedback-Kultur auf Augenhöhe zu schaffen, und jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden, dies zu tun.
Es gibt allerdings ein paar Empfehlungen, die die Umsetzung erleichtern:

  • Verwendung eines geeigneten, akzeptierten Frameworks für Feedback, wie S(Situation)B(Behavior)I(Impact)
  • Es sollte eine Top-Priorität mit voller Unterstützung der Geschäftsleitung sein
  • Einführung eines unternehmensweiten Schulungsprogramms
  • Sicherstellen, dass es Vorbilder aus allen Hierarchiestufen gibt


Wenn es darum geht, konkretes Feedback zu geben, sei es positiv oder konstruktiv, zeigt die Erfahrung deutlich, dass alleine die Bereitschaft, Feedback zu geben, nicht ausreicht. Es gibt viele, oft unbewusste, Blockaden und Fallstricke, die eine unternehmensweite Nutzung behindern und somit alle Bemühungen zunichte machen können.
Es gibt einige Best Practices, die wir an Ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können und die einfach anzuwenden sind.
Erstens, wenn wir Feedback geben:

  • Schreibt das Feedback auf und lest es bei Bedarf so lange durch, bis die Formulierung eindeutig ist. Feedback sollte für bare Münze genommen werden können, ohne zwischen den Zeilen lesen zu müssen!
  • Gebt nicht unmittelbar nach der Situation, zu der ihr Feedback geben möchtet, Feedback. Emotionen sind ein schlechter Ratgeber und wir wollen nicht aus einem Affekt heraus Themen zur Sprache bringen, die nach einiger Überlegung ihren Sinn verlieren. Wartet aber auch nicht zu lange. Feedback sollte rechtzeitig gegeben werden und die Situation, um die es geht, muss allen noch gut in Erinnerung sein.
  • Gebt Feedback immer mit guten Absichten!
  • Bittet immer um Erlaubnis, Feedback zu geben, und vereinbaret bei Bedarf ein kurzes Gespräch.
  • Bietet im Feedback keine Lösungen an, insbesondere eure eigenen Lösungen. Wenn überhaupt, bietet Unterstützung an, einen Lösungsweg zu erarbeiten, falls ihr danach gefragt werdet.
  • Erwartet keine sofortige Antwort oder Reaktion auf euer Feedback. Gebt eurem Gegenüber Raum und Zeit zum Nachdenken.


Zweitens, wenn wir Feedback erhalten:

  • Unterbrecht die Person, die Feedback gibt, nicht und bedankt euch angemessen dafür. Die Vorbereitung erfordert viel Mühe und vor allem Mut, es auch wirklich zu geben.
  • Geht immer davon aus, dass die Person, die Feedback gibt, gute Absichten hat!
  • Es ist nicht erforderlich, sofort auf Feedback zu antworten, insbesondere auf konstruktives Feedback. Es ist völlig in Ordnung, sich Zeit zu nehmen, um darüber nachzudenken und eure Gedanken später zu besprechen.
  • Stimmt nicht zu, Feedback zu erhalten, wenn ihr es eilig habt oder mental nicht in der Lage seid, es richtig zu verarbeiten. Plant es zu einem späteren Zeitpunkt.

Zusammenfassung

In einem Umfeld, in dem eine gute, nachhaltige Feedback-Kultur etabliert ist, wird die Reaktion zukunftsorientiert sein und eine positive Wirkung haben, auch wenn das Feedback konstruktiv war!

  • Feedback zu geben sollte nichts sein, wovor die Leute Angst haben, da es zu Gegenreaktionen oder anderen negativen Auswirkungen kommen könnte.
  • Feedback ist noch aussagekräftiger, wenn es mit guter Absicht gegeben wird und auf gemeinsame Ziele hinweist.
  • Je mehr wir in unsere Feedback-Kultur investieren, indem wir Vorbildfunktion übernehmen, Schulungen usw. anbieten, desto erfolgreicher werden das Unternehmen sein.
  • Überprüft die Feedback-Kultur regelmäßig, um ein schleichendes oder unbemerktes Abgleiten in eine ungesunde Umgebung zu vermeiden
Eine gute Feedback-Kultur ist für alle gesunden Organisationen von entscheidender Bedeutung und muss von allen als offen und konstruktiv wahrgenommen werden.
Verfasser: Christian
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